Hiroshima September 20, 2008
Posted by tanuki77 in Hiroshima, Japan in Bildern - Ein Bildreiseführer.Tags: A-Bomb Dome, Friedensgedächtnishalle, Hiroshima, Hiroshima Atombombe H-Dome
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Hiroshima
Am Morgen des 6. August 1945, um genau 08:15 Uhr, explodierte in einer Höhe von 600 Metern eine Atombombe, abgeworfen von einem amerikanischen B29 Bomber, über der japanischen Stadt Hiroshima. Die Explosion erwirkte im Zentrum eine Temperatur zwischen 3000 und 4000 Grad, die entstandene Schockwelle breitete sich mit einer Geschwindigkeit von über 400 Metern pro Sekunde aus und vernichtete innerhalb von Sekunden die gesamte Stadt. Vier Tage später wiederholte sich in Nagasaki das Geschehen. Japan kapitulierte nur wenige Tage danach, am 15. August 1945 – und beendete damit den 2. Weltkrieg.
Etwa 350.000 Menschen sollen sich zum Zeitpunkt der Explosion in Hiroshima aufgehalten haben, darunter Schülergruppen aus China und Korea. Die Wucht der Explosion hat ebenso wie die Zivilgebäude auch die administrativen Strukturen ausgelöscht, darunter auch das Stadtarchiv, so dass genaue Zahlen nicht mehr rekonstruierbar sind. Nach einer Studie des Jahres 1976 wird die Zahl der getöteten Personen zwischen August und Dezember 1945 auf ca. 145.000 geschätzt, dazu kommen allerdings noch die an den Folgeschäden der Strahlung getöteten Menschen. Heute beträgt die Einwohnerzahl Hiroshimas etwas mehr als 1. Mio. Menschen.
Der Friedenspark ist, genau wie sein Pendant in Nagasaki, ein Ort der Stille: idyllisch, ruhig, durchsetzt mit Denkmälern (eher Mahnmälern) die aufgrund des Wissens um den Hintergrund der hier vor einem halben Jahrhundert geschehenen Ereignisse dem Ort eine gar gespenstische Atmosphäre verleihen. Japan gedenkt alljährlich den Atombombenopfern, richtet damit auch jedes Jahr eine Warnung an die Welt, etwas derartiges nie wieder geschehen zu lassen.
A-Bomb Dome
(Genbaku domu mae)
Der als Sinnbild für die Zerstörung Hiroshimas zum Wahrzeichen der Stadt gewordene Bau war ursprünglich eine Verkaufs- und Austellungshalle ( „Hiroshima Prefectural Products Exhibition Hall“, danach „Hiroshima Industrial Promotion Hall“), von dem tschechischen Architekten Jan Letzel entworfen und im Jahre 1915 fertig gestellt und mit der charakteristischen, grünen Kuppel versehen. Zum Zeitpunkt der Explosion befanden sich diverse Regierungsbüros in dem Gebäude. Da die Bombe direkt darüber detonierte (und Dank umfangreicher Erhaltungsmassnahmen), stehen die jedoch sehr stark in Mitleidenschaft gezogenen Wände als Skelettgerüst noch heute. Die gewaltige Explosionskraft liegt ausserhalb des Vorstellbaren: geschmolzene Leitungen, Geröll und nicht zuletzt die tiefen Risse in dem massiven, dickwandigen Mauerwerk lassen die freigewordene Energie nur noch erahnen. Obwohl die Meinungen hierzu stark auseinandergingen, entschloss man sich, das Bauwerk als Mahnmal zu erhalten.
Im Dezember 1996 wurde der A-Bomb Dome in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen.
Hiroshima Peace Memorial Museum
Für gerade einmal 50 Yen bietet das Peace Memorial Museum einen Überblick über die Geschehnisse dieses Ereignisses. Sehr empfehlenswert, zumal sehr günstig und mit überaus freundlichem Personal. In der Eingangshalle befindet sich ein kleines Café und ein Souvenirshop.
Dass die Japaner ihre Nemesis auch heute noch lange nicht überwunden haben, ist durchaus verständlich. So wird dieses durch den Abwurf der Atombomben von Nagasaki und Hiroshima verursachte Nationaltrauma auch in der postmodernen Literatur (u.a. Kazuo Ishiguro: „A Pale View of Hills“) verarbeitet.
Papierkraniche (Orizuru)
Origami, die Kunst des Papierfaltens, beherrscht in Japan jedes Kind. Ein alter Brauch ist es, 1000 an einem Faden aufgereihte Papierkraniche (senbazuru) einem Freund oder Verwandten zu wschenken, der an einer Krankheit leidet, um sich von dieser zu erholen. In Hiroshima finden sich an vielen Orten diese aufgereihten Kraniche; die beeindruckendste Sammlung dürfte die an der Friedensglocke sein.
Nationale Friedensgedächtnishalle für die Atombombenopfer von Hiroshima
(National Peace Memorial Hall for the Atomic Bomb Victims)
Öffnungszeiten:
März – November: 08:30 bis 18:00 Uhr
August: 08:30 bis 19:00 Uhr
Dezember – Februar: 08:30 bis 17:00 Uhr
Geschlossen vom 29. Dezember – 1. Januar
Eintritt: frei !
Dieses empfehlenswerte Museum bietet dem Besucher eine sehr eindrucksvolle Friedensgedächtnishalle, welche aus über 140.000 Einzelbausteinen besteht (in Erinnerung an die bis 1945 Verstorbenen Opfer) und visuell die Szenerie in einem 360 Grad-Panorama nach dem Angriff abbildet. Dies ist der „Raum zum Gedächtnis der Opfer“, im 2. Unterschoss des Gebäudekomplexes gelegen. Verlässt man die Halle, führt der Weg in die multimediale Informationshalle, in der Namen und Bilder von Verstorbenen auf Bildschirmen angezeigt werden.
Darüber hinaus befinden sich im 1. Obergeschoss eine Informations- und Ausstellungsecke und ein Lesezimmer. In der Austellungsecke werden Artefakte wie z.B. ein geschmolzener Glasklumpen oder ein Hemd, auf welchem der „schwarze Regen“ Flecken hinterlassen hat, ausgestellt. Im Lesezimmer kann u.A. eine riesige Datenbank mit über 100.000 Einträgen durchsucht werden.
Die Mitarbeiter sind sehr freundlich, am Eingang gibt es kostenlose Broschüren in verschiedenen Sprachen (u.a. auch Deutsch!) zum mitnehmen.
Ein Zähler in der Friedensgedächtnistabelle listet für 2008 eine registrierte (identifizierte) Zahl von 15678 Opfern auf.
Geschmolzenes Glas
Aus den Memoiren von Midori Hirata: „Es dauerte zwei oder drei Tage, bis wir uns zu unserem Haus durchschlagen konnten. Natürlich wurde nichts von dem Feuer verschont. Teller verschmolzen zu Glasklumpen. Wie heiss doch das Feuer gewesen sein muss…“
Hemd mit Spuren vom „schwarzen Regen“
Aus den Memoiren von Yoriko Oobayashi: „Geführt von unseren Lehrern, wurden wir in die Berge bei Koi evakuiert. Auf dem Wege dorthin viel ein schwarzer Regen auf uns herab.
Anfahrt:
Per Shinkansen erreicht man Hiroshima problemlos.
Nimmt man den Hikari-Shinkansen (mit JapanRailPass), muss man z.B. von Tokio aus in Osaka umsteigen, die Gesamtfahrdauer beträgt für die Distanz von ca. 900 km (!) knapp 5 Stunden.
Mit dem Nozomi Shinkansen dauert die direkte Fahrt (ohne Umsteigen) von Tokio aus nur 4 Stunden – ist aber mit fast 20 000 Yen (einfache Fahrt) relativ teuer.
Von der Hiroshima Station aus kauft man sich am Besten ein Tagesticket (1 day Trip card, siehe unten) und fährt mit der Strassenbahn (StreetCar) bequem auf direktem Wege zu der Haltestelle vor dem Atombombendom (Haltestelle „Genbaku Domu mae“). Dies dauert in etwa 20 Minuten.























