Was auf den ersten Blick an einen Schnittmusterbogen oder elektrischen Schaltkreis erinnern mag, ist das U-Bahngeflecht Tokios. Verwirrend, ermüdend, zur Rush Hour mehr als 300%ig ausgelastet – aber gleichzeitig ungemein faszinierend und höchst effektiv.

Kaum zu glauben: das System funktioniert sehr gut. Verspätungen sind äusserst selten, der Fahrplan im Minutentakt bietet sowieso erst gar keinen Platz dafür. Ausnahmen sind natürlich die Naturgewalten. In Japan bebt die Erde statistisch gesehen bis zu 1000 Mal im Jahr. Im Frühjahr und Spätsommer ist darüberhinaus noch Hochsaison der Taifune. Dann geht auch in der Ubahn nichts mehr: die Stationen werden geschlossen und hermetisch abgeriegelt bis das Unwetter vorüber ist.

In Tokyo wird der Tourist vor allem auf der JR Yamanote Ringlinie unterwegs sein. Diese deckt den Großteil der Sehenswürdigkeiten und Szenebezirke von Akihabara über Shinjuku bishin zu den Shinkansen Fernzug-Hubs Tokyo und Ueno Station ab.

Daneben gibt es noch die privaten Metro-Linien (Subway) wie z.B. die Ginza Linie. Die blauen Metro-Schilder weisen den hier Weg zur jeweiligen Station – mancherorts leicht zu übersehen.

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Eine ohrwurmartige Erkennungsmelodie (wechselt je nach Station) kündigt das Einfahren/Abfahren des Zuges an.

Der aktuelle Plan der Tokioter U-Bahn und Bahnlinien Zentraltokios kann hier in deutscher Sprache als pdf zum Ausdrucken heruntergeladen werden. Allerdings liegen auch an allen Stationen in Tokyo kostenlose Pläne zum Mitnehmen aus.

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Oben die U-Bahnkarte für Zentraltokio (liegt zum Mitnehmen an jeder Station aus), unten der Großraum Tokio für Pendler und fortgeschrittene Touristen

Erschwert wird die Navigation durch die Tatsache, dass es eine “Hauptader”, nämlich die JR Loop Line gibt – und daneben ein Dutzend privatisierter Linien. Beide Tarifsysteme sind inkompatibel. Das verwirrt sogar Japaner, an den beschrankten Ausgängen stehen immer Bahnbedienstete mit Rat und Tat zur Seite. Am Besten und stressfrei fährt man deshalb mit der aufladbaren SUICA Magnetkarte, mit der man sogar an vielen Getränkeautomaten bezahlen kann. Deshalb sollte man sich an einem der vor oder in jeder Station aufgestellten Automaten als erstes eine dieser Suica-Karten besorgen. Dort kann man diese praktischerweise auch gleich aufladen. Die Automaten akzeptieren alle Scheine von 1000 bis 10000 Yen sowie Münzen.

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Empfehlenswert ist die Suica-Karte auf jeden Fall, denn mit der JR Linie kann man herrlich eine Rundfahrt um und durch Tokio machen, die Züge halten an den wichtigsten Stationen (Shibuya, Shinjuku, Akihabara, Yoyogi, usw.). Auch die privaten Linien kann man mit der Suica benutzen. Quasi die „Eine für Alles“ – Karte.

Die Magnetkarte ist wirklich sehr praktisch, man kann sie getrost im Geldbeutel lassen, einfach den Geldbeutel über die Suica Markierung an den Ein-/Ausgängen der Station ziehen, fertig. Der Betrag wird automatisch abgebucht. Bei Bedarf kann man die Karte wieder beliebig aufladen.

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An solchen Ticket-Terminals bekommt man nicht nur Papiertickets, sondern auch die Suica-Karten und kann diese auch gleich aufladen.

Als Alternative gibt es natürlich die guten alten Papiertickets, welche man an den Automaten auch bekommt. Man sucht sich auf der ausgehängten Karte die Endstation heraus, schaut wie viel das Ticket kostet, wirft das Geld in den Automaten (oder den Schein) und bekommt Ticket samt Wechselgeld ausgegeben.

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Egal ob Metro….

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… oder JR….img_5784

….mit der SUICA-Karte kann man stressfrei Tokio erleben. Allerdings kommen hier schon gut und gerne über 20 Euro am Tag oder zusammen, je nachdem wie oft man fährt – und wohin. Es gibt für Touristen auch Tages- und Mehrtagestickets, allerdings nur an bestimmten Ausgabestellen wie z.B. den Flughäfen.

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Lediglich die Einschienenbahn Yurikamome sowie die Airport-Zubringer (Narita Express, Sky Liner) haben gesonderte Tarifsysteme, hier muss ein extra Ticket gekauft werden.

Ist man stolzer Besitzer eines Japan Rail Passes, so kann man für dessen Gültigkeitsdauer die JR Linien sowie den Narita Express kostenfrei nutzen, muss aber die privaten Metrolinien noch selbst bezahlen.

Stolperstein Nr. 2 : wenn es mit dem Lokalzug weiter weg wie z.B. in die Außenbezirke gehen soll, so gibt es drei Arten von Zügen : LOCAL TRAINS, diese halten an jeder Haltestelle, sowie RAPID TRAINS die wie es der Name vermuten lässt, Schnellzüge sind und somit nicht an jeder Haltestelle halten….sowie SUPER RAPID TRAINS die an noch weniger Haltestellen halten. Dies ist immer aussen am Zug angeschrieben. Wer Pech hat, steigt in einen Super Rapid Zug ein – und kommt irgendwo wieder raus, wo es noch nicht einmal romaji-Beschriftungen gibt. Kommt vor 😉

Bei 30 Millionen Menschen im Grossraum Tokios trifft man zuweilen auf allerlei lustige und seltsame Zeitgenossen. Auch hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Noch etwas: Selbst spät am Abend ist es sehr sicher, den Zug zu nehmen, man bekommt ein ungewohntes Sicherheitsgefühl. Selbst wenn man etwas verliert hat man sehr gute Chancen, es im Fundbüro der jeweiligen Station am nächsten Tag wieder zu bekommen. Als Frau muss man sich meiner Meinung nach ebenfalls keine Sorgen machen, dass man noch dazu eine Ausländerin belästigt ist doch sehr unwahrscheinlich. Die meisten japanischen Männer haben vor ihnen eher Angst.

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Warten auf den nächsten Zug – was selten länger als 5 Minuten dauert. Wenn man Glück hat…

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…sind nicht so viele Fahrgäste anwesend. Ist aber wirklich selten für Tokyo. Die beste Zeit um stressfrei Metro zu fahren ist wohl zwischen 11 und 13 Uhr. Ich versuche die Rush Hour Zeiten immer zu umgehen und bitte um Verständnis, wenn ich an dieser Stelle keine Fotos von derartigen Zuständen poste. Aber wer beschwertes Sardinenfeeling mag: bitte sehr, ab 17 Uhr geht´s los.

Zur Veranschaulichung, im Folgenden ein paar Zahlen:

Die deutsche Bahn transportiert jeden Tag etwa 4,5 Millionen Menschen durch Deutschland. Alleine Shinjuku (Tokios Dreh- und Angelpunkt) jedoch weist täglich 3,5 Millionen Fahrgäste auf! Zur Rush Hour fahren die Züge mit 300%iger Auslastung, die berühmten Bahnbediensteten mit ihren weissen Handschuhen pressen auch noch den letzten Fahrgast in das Abteil. Was hier allerdings noch belustigend erscheint, ist für die Berufspendler purer Stress. Deshalb ist es wirklich ganz und gar nicht angebracht, das ganze noch lachend und kichern mit dem Handy zu filmen.

Ein Relikt, welches an vergangene Zeiten erinnert: bevor Mobiltelefone in das Alltagsleben der Japaner Einzug gehalten haben, wurden Verabredungen und Nachrichten an wartende Freunde oder Familienmitglieder auf solche Tafeln geschrieben. XYZ…haben Sie Probleme oder benötigen Sie Hilfe wenn niemand anders mehr helfen kann? Dann, so heisst es, ist die Tafel in Shinjuku die letzte Hoffnung. 😉

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